Vorrunde Lahnstein: IN POLAROID im Finale, INDIANAGEFLÜSTER in der Zwischenrunde

News #129

Lahnstein. Irgendwann, es fängt wieder an zu tröpfeln über dem Festivalgelände von Lahneck Live, fordert Singer-Songwriter Ijaz Ali Applaus ein. Nicht für sich. Nein, als im stärker werdenden Regen ein Schirm um den anderen aufploppt, empfiehlt der Gitarrist und Sänger, dass das Publikum jetzt bitte mal für sich selbst klatschen soll: "Es ist so toll, dass ihr alle trotz des beschissenen Wetters hier seid. Macht mal Lärm für euch!", ruft er ins Mikro - und seine Zuhörer vor der Rhein-Bühne folgen jubelnd: Das Wetter mag mies sein, die Stimmung im Publikum ist es definitiv nicht.

 

Klar, es könnten mehr Menschen da sein, die am Freitagabend die Koblenzer Vorrunde für den Rockbuster-Wettbewerb bei Lahneck Live verfolgen. Aber angesichts des verregneten Abends ist überraschend viel los am Rheinufer in Oberlahnstein. Und so wird letztlich auch die Siegerband des Abends vor einer ansehnlichen Masse von Musikfans verkündet: "In Polaroid" aus Neuwied gewinnen. Mit ihrem gefühlvollen Deutschpop spielt sich die Band ins Finale des landesweiten Wettbewerbs für Nachwuchsbands am 22. Oktober auf der Festung Ehrenbreitstein.

 

Die Kombo um Jens Gilles siegt in einem Contest, bei dem das Wetter den Zuschauern einen gewissen Langmut abverlangt - und den Bands einiges an Flexibilität, ebenso wie dem Organisationsteam, das den Wettbewerb im Zuge von Lahneck Live über die Bühne bringt. Denn Markus Graf, Geschäftsführer der hinter dem Rockbuster stehenden Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Rock und Pop, hatte den Contest früher am Abend eigentlich noch notgedrungen absagen wollen: Eine Gewitterparzelle zieht am späten Nachmittag über Lahnstein hinweg. Starkregen setzt das Gelände teils unter Wasser. Hinter der Parkbühne soll Gas austreten, die Feuerwehr rückt an. Zu diesem Zeitpunkt stimmt Graf im Backstagezelt die fünf im Wettbewerb stehenden Bands darauf ein, dass es für den Contest gerade ziemlich schlecht aussieht.

 

Doch dann: Entwarnung von der Feuerwehr - kein Gas auf dem Gelände, die Wassermassen haben Luft aus einem Schacht gedrückt. Die Techniker signalisieren grünes Licht für die Rhein-Bühne. Der Regenradar prognostiziert weder Gewitter noch weitere heftige Wolkenbrüche. Kurz entschlossen straffen Graf und sein Team den Zeitplan für den Wettbewerb. Der Contest findet doch statt. Statt eines 20-minütigen Sets darf jede Band nur 15 Minuten spielen, bei den Soundchecks ist Eile geboten.

 

Und so sind es "In Polaroid", die mit einer Stunde Verspätung die Rockbuster-Vorrunde eröffnen - und direkt groß auffahren. Die Songs sind opulent arrangiert, unter anderem bereichern Klavier und zwei Geigen die gut gemachte Popmusik. Die deutschen Texte, von Jens Gilles und Laura Tserea gut harmonierend teils im Duett gesungen, sind emotional, wenn auch mitunter recht pathetisch. Insgesamt ist die musikalische Qualität von In Polaroid hoch, sodass die Jury die Band zum Sieger bestimmt.

 

Auf den zweiten Platz spielen sich Indianageflüster. Die Jungs aus Koblenz, Emmelshausen und Kastellaun legen deutschen Rap über einen fetten, satten Sound, der sowohl Bass- als auch Gitarrenlastig ist und in dem mal Rock, mal Metal aufblitzen. Mit dem zweiten Platz haben sich Indianageflüster für die Rockbuster-Zwischenrunde im August qualifiziert. Siegen sie dort, sind auch sie im Finale dabei.

 

Zwar nicht als Sieger gekürt, aber unbestritten ein echter Sympathieträger und guter Musiker und Sänger ist Singer-Songwriter Ijaz Ali. Als Solokünstler, nur mit seiner Gitarre auf der Bühne, liefert er starke Songs und hat eine schöne Präsenz, auch wenn es fürs Finale nicht reicht. Me, Setting Sails spielen ausgefeilten Indie-Rock, der rhythmisch und melodiös häufig überrascht, die Jury aber nicht vollends überzeugt. Jovian Spin, die vor den ersten Takten lang mit Technik und Soundcheck kämpfen, stellen sich mit ihrem nach vorn gehenden, von elektronischen Beats unterlegen Rock als routinierte Rampensäue vor. Der Sound ist cool, an diesem Abend aber steckt irgendwie der Wurm drin.

 

Nicht so bei Van Holzen und Rakede. Die beiden Bands spielen außerhalb des Wettbewerbs. Besonders Rakede geben mit ihrem mit Reggaebeats und Dubstep angereicherten Sound richtig Gas und bitten zum Tänzchen auf der matschigen Wiese - dort, wo zu guter Letzt an diesem Abend Fans und Freunde von In Polaroid Freudensprünge zeigen. Ihre Band hat gesiegt, da ist der Matsch auch egal.

 

Artikel: Rhein-Zeitung, Anke Mersmann

Foto: Annegret Arnold


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